+ Kristina Deselaers, geb. 1970 in Berlin als Kristina Kirschke

+ Dipl.-Ing. Innenarchitektur; Fachzeitschriften-Volontariat

+ Redakteurin design report 1998-2001

+ Organisatorin design report award 2000

+ seit 2001 freie Journalistin (2005-2012 Familienauszeit)

+ Vorstand Repair Café Sasel / Hand+Werk e.V.

+ Initiatorin Bildungsprojekt RepairKids


Wer bin ich – und wenn ja, wie viele? Schreiben, Gestalten, Bauen, Reparieren, Gärtnern, Malen, Singen: All das mache ich viel und gerne.

In jedem Fall bin ich eine Sammlerin und bewahre oft Kaputtes und Übergebliebenes auf, um es irgendwann wieder flottzumachen.

So sind über die Jahre Keller und Garten bei uns zu bunt gemixten Reservoirs für Reste geworden – zum Leidwesen meiner Familie.

Als ich von Repair Cafés hörte, also ehrenamtlich organisierten Treffen, bei denen Fachleute in Kaffeehausatmosphäre kostenlos Hilfe zur Selbsthilfe beim Reparieren bieten, war ich sofort elektrisiert. So etwas brauchten wir dringend auch in unserer Nähe!!

Nur war da erstmal nix. Und das änderte sich auch nicht einfach.

So kam es, dass ich 2013 mit meiner Freundin Christin Stöckmann Hamburgs erste Initiative dieser Art gründete: das Repair Café Sasel.

Eine Entscheidung, die mein Leben verändert hat. Nicht nur, weil unser Zuhause jetzt irgendwie immer viel aufgeräumter wirkt ...


Repair Café, Repair Café: Was ist denn so toll daran? Das kann man am besten live erleben oder auf den Bildern sehen, die Johannes Arlt bei uns in Sasel gemacht hat und die medial immer wieder präsent sind. Ich glaube, es ist die herzliche, offene Stimmung in einem Raum ohne wirtschaftlichen Druck, in dem man Unterstützung findet, die viele Menschen anzieht. Neben Praxis und Sinn – also Material und Technik zu erhalten, Wissen weiterzugeben – geht es hier immer auch um Begegnung und Austausch. Alle lernen dazu. Und oft einander besser verstehen: Alt und Jung, Mann und Frau, Nachbarn, Fremde.

In unserem kleinen Hamburger Randbezirk erlebten wir mit unserer Initiative von Anfang an sehr starken Zulauf. Auch von Leuten, die andernorts ebenfalls so etwas gründen wollten und dafür Rat suchten. Sie kamen aus Bremen, Lüneburg, Kiel und noch weiter weg angereist. So wurde unser Projekt zum Zünder für weitere und ich mit der Zeit zu einer Expertin im Thema, die viele Neugründungen begleiten durfte.

Mittlerweile gibt es im deutschsprachigen Raum über 700 Reparatur-Initiativen. Das ist kein Trend. Sondern der Kaffeeduft umwehte Auftakt eines kulturellen Wandels: Transformation.


Und sonst so? Im gemeinnützigen Hand+Werk e.V., dem rechtlichen Träger von Repair Café Sasel, wird nicht nur repariert und genetzwerkt. Aktuell z.B. basteln wir am Alstertaler Lastenrad, dem emissionsfreien Leih-Mobil für unseren Verein und unser Viertel, das wir gefördert von der Stadt bauen und Ende 2018 auf die Straße bringen wollen. Noch allerdings tüfteln wir an den technischen Details. Aufregend!!

Schon fertig, erprobt und für gut befunden – von vielen Kids und vom Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung – ist dagegen unser RepairKids-Projekt. Bei diesen Reparatur-Workshops können Schulkinder unter Anleitung ihre Sachen reparieren, Erfahrungen mit Werkzeug, Werkstoffen und den eigenen Talenten sammeln.

Das macht nicht nur den Kindern Riesenspaß, auch wir AnleiterInnen lieben es! Um den Start weiterer solcher Projekte an anderen Orten zu erleichtern, habe ich gefördert von der anstiftung 2015 einen Praxis-Leitfaden verfasst: das RepairKidsManual. Es wurde unter CC-Lizenz veröffentlicht,

Ab 2018 soll RepairKids in Hamburg als reguläres Bildungsprogramm Schulen beim Aufbau von Schul-Repair-Cafés unterstützen. Dazu gibt es in Kürze bald mehr an dieser Stelle und in der lokalen Presse.